Pflanzen des Monats 2016

Texte: Steffen Boch, Fotos: Markus Bürki

 

 

Pflanze des Monats April: Prophetenblume (Arnebia pulchra) im Steppenhaus (33) und im Alpinum - Asiatische Gebirge (8)

Schwarze Flecken zum Anlocken von Bestäubern?

 

Die Gattung Arnebia aus der Familie der Rauhblattgewächse (Boraginaceae) umfasst rund 40 ein- oder mehrjährige Arten. Alle Arten haben einfache Blätter sowie stieltellerförmige Einzelblüten mit fünfzipfeliger Krone. Das Verbreitungsgebiet der Gattung reicht von Nordafrika bis Zentralasien.

Die Prophetenblume (Arnebia pulchra) ist in Kleinasien, dem Iran und dem Kaukasus einheimisch, wo sie in den Bergen in Höhen zwischen 1500 und 3000 m über dem Meeresspiegel auf durchlässigen Böden wächst. Sie bildet eine grundständige Blattrosette aus bis 15 cm langen, lanzettlichen Blättern und erreicht insgesamt eine Höhe von bis 40 cm. Ihre Blätter und Stiele sind mit rauen Borstenhaaren bedeckt. Von April bis Juni bildet sie zahlreiche, röhrenförmige Blüten. Die ca. 2 cm lange fünfzipfelige Krone ist leuchtend gelb und trägt grosse schwarze Zeichnungen. Man vermutet, dass die Pflanze mit diesen Zeichnungen blütenbesuchende Insekten imitiert, wodurch Bestäuber angelockt werden könnten, die einen reich gedeckten Tisch vermuten, an dem sich bereits viele andere Insekten tummeln. Bei der Prophetenblume verfärben sich die schwarzen Zeichnungen nach der Bestäubung zunächst kastanienbraun bis violett und bilden sich später ganz zurück. Dieses Farbwechsel-Phänomen wurde weltweit bereits bei rund 80 verschiedenen Pflanzenfamilien festgestellt. Die dekorative Prophetenblume ist recht frosthart und wird deshalb häufig in Steingärten der temperaten Zonen als Zierpflanze kultiviert.

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Pflanze des Monats März: Lorbeerblättriger Schneeball (Viburnum tinus) im Mittelmeergebiet (30) neben der Rampe zum WC

Nektar und Pollen für frühe Bestäuber

 

Die Gattung Gattung Schneeball (Viburnum) wird neuerdings, nach der auf molekular-genetischen Analysen beruhenden Systematik, der Familie der Moschuskrautgewächse (Adoxaceae) zugeordnet. Die Gattung umfasst weltweit 150 bis 175 Arten.

Der Lorbeerblättrige Schneeball (Viburnum tinus) ist im gesamten Mittelmeerraum verbreitet und hat sich auf den Britischen Inseln sowie in der Schweiz (Tessin) als Gartenflüchtling in der natürlichen Vegetation eingebürgert. In seiner ursprünglichen Heimat besiedelt er hauptsächlich schattige und feuchte Standorte in lichten Eichenwäldern und Gebüschgesellschaften der sogenannten Macchie. Der immergrüne Strauch erreicht in seltenen Fällen Wuchshöhen bis 7 m. Die gegenständig angeordneten Laubblätter, ein charakteristisches Merkmal der Moschuskraut-gewächse, sind einfach, ledrig, eiförmig und ganzrandig. Die Blattoberseite ist glänzend dunkelgrün und die Blattunterseite ist drüsig behaart. Die duftenden, fünfzähligen, zuerst rosa, später weissen Blüten sind in einem trugdoldigen Blütenstand angeordnet. Diese Blütenstandsform ist ebenfalls ein charakteristisches Merkmal aller Arten der Moschuskrautgewächse. Die Kelchblätter wie auch die Kronblätter sind röhrig verwachsen. Da die Blütezeit von November bis April reicht, eine Zeit wo nur wenige andere Pflanzenarten blühen, stellt die Art eine wichtige Pollen- und Nektarquelle für früh fliegende Insekten dar. Nach der Bestäubung werden die einsamigen, bei Reife bläulich-schwarzen Steinfrüchte gebildet, welche von Vögeln verzehrt und die Samen auf diese Weise ausgebreitet werden.

Der Lorbeerblättrige Schneeball ist unter milden Klimabedingungen winterhart und wird deshalb häufig als Zierpflanze in Gärten kultiviert und weitergezüchtet.

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Pflanze des Monats Februar: Kalanchoe gastonis-bonnieri im Sukkulentenhaus (38)

Jungpflanzen am Blattrand - eine aussergewöhnliche Art der Vermehrung

 

Die Gattung Kalanchoe gehört zur Familie der Dickblattgewächse (Crassulaceae) und umfasst rund 150 sukkulente, meist ausdauernde Arten. Sie kommen auf der Arabischen Halbinsel sowie in tropischen Gebieten Afrikas und Asiens vor. Innerhalb der Gattung unterscheidet man die beiden Sektionen Kalanchoe (mit aufrechten Blüten) und Bryophyllum (mit hängenden Blüten). Arten der Sektion Bryophyllum (deutscher Name: Brutblatt) kommen ausschliesslich auf Madagaskar vor. Ein Grossteil der ca. 35 Arten dieser Sektion bildet an den Blatträndern sogenannte Brutknospen, die zur vegetativen Vermehrung der Pflanze dienen. Aus den Brutknospen entwickeln sich Tochterpflanzen, die sich bei Reife ablösen, herunterfallen und mit den bereits vorhandenen Wurzeln direkt anwachsen. Diesen Ausbreitungsmechanismus nennt man Blastochorie (“Ausbreitung durch Selbstableger“). Kalanchoe gastonis-bonnieri stammt aus dem Nordwesten Madagaskars und wächst dort auf Kalkfelsen in offenen Wäldern, zusammen mit anderen Sukkulenten. Die dekorative und anspruchslose Art wird auch als Zierpflanze in vielen tropischen Regionen kultiviert. Sie bildet an ihrer Basis eine Rosette aus dickfleischigen, oft bläulich bereiften, bräunlich gepunkteten, kahlen, bis 50 cm langen Blättern. Sie wird bis 1 m hoch, wobei der Blütenstand die Hälfte der Gesamtgrösse erreichen kann. Jede Einzelblüte wird bis 5 cm lang. Die Art ist monocarpisch, das heisst sie blüht nur ein einziges Mal in ihrem Leben. Die Mutterpflanze stirbt nach der Samenreife ab, hinterlässt aber neben den zahlreichen Samen noch eine Vielzahl der am Blattrand gebildeten Tochterpflanzen.

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Pflanze des Monats Januar: Drachenbaum-Agave (Agave attenuata) im Sukkulentenhaus (38)

Blühen - zum ersten und letzten Mal

 

Agave ist eine Gattung aus der Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae) die über 200 Arten umfasst (Agave s.l.). Der botanische Name Agave (griechisch agavos = edel, prachtvoll, erhaben) leitet sich aus der griechischen Mythologie ab (Tochter von Kadmos und Harmonia). Das Hauptverbreitungsgebiet der Agaven ist Mexico, erstreckt sich jedoch insgesamt über den Süden und Südwesten der Vereinigten Staaten sowie über Mittelamerika bis in das tropische Südamerika. Die dekorativen, relativ anspruchslosen Agaven werden weltweit in frostfreien, zumeist tropischen und subtropischen Regionen kultiviert. Fast alle Agaven-Arten sind monocarpisch, das heisst sie blühen nur ein einziges Mal in ihrem Leben. Die Mutterpflanze stirbt nach der Samenreife ab, hinterlässt aber neben den zahlreichen Samen meistens noch eine Vielzahl von Tochterpflanzen. Bis zur Ausbildung des Blütenstands vergehen oft mehrere Jahrzehnte.

Die Drachenbaum-Agave (Agave attenuata) wächst zwar in den Höhenlagen von Mexico auf 1800 bis 2500 m, ist jedoch sehr frostempfindlich (Schäden ab -2 °C, ab -4 °C stirbt sie bereits). Sie ist eine sukkulente Pflanze mit bis zu 1,5 m hohen Stämmen, die eine Blattrosette an der Spitze tragen. Die eiförmigen, weichen Blätter sind bläulich- bis gelblich-grün und stachellos. Der dichte, meist gebogene Blütenstand, wegen dem die Art auch Schwanenhals-Agave genannt wird, ist mit einer Länge von bis zu 4 Metern besonders üppig und trägt unzählige, grünlichgelbe Blüten. Die Einzelblüten sind nektarreich und wohlriechend, wodurch verschiedene Bestäuber, wie Kolibris, große Nachtfalter oder Fledermäuse angelockt werden.

 

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