Pflanzen des Monats 2016

Texte: Steffen Boch, Fotos: Markus Bürki

 

 

Pflanze des Monats Dezember: Myrten-Kreuzblume (Polygala myrtifolia) im Sukkulentenhaus (38), im Sommer auf der Terrasse mit Afrikanischen Kübelpflanzen (50)

Nur die Stärksten bekommen etwas vom Nektar ab

 

Die Myrten-Kreuzblume stammt aus der Kapregion Südafrikas. Die Art ist dort weitverbreitet und wächst in unterschiedlichen Habitaten, vom rauen Klima der Küstengebiete bis zu den trockenen Gebieten im Landesinneren. Der immergrüne, meist mehrstämmige Pionierstrauch wird bis 4 m hoch. Seine ovalen Blätter erinnern an jene der Myrte. Die Art blüht fast ganzjährig, erreicht jedoch im südafrikanischen Frühjahr (bei uns von August bis Dezember) ihren Blütenhöhepunkt.

 

Besonders interessant ist der Blütenaufbau der Kreuzblumen und bei der Myrten-Kreuzblume (und anderen südafrikanischen Arten) die Art der Bestäubung. Zwei grosse lila Kronblätter sind seitlich angebracht, das dritte in der Mitte ist kahnförmig und trägt ein fransiges Anhängsel. Die acht zu einer Röhre verwachsen, den hakenförmigen Griffel umschliessenden Staubblätter, sind zunächst noch in diesem Kahn verborgen. Nur grosse Holzbienen sind in der Lage mit hohem Kraftaufwand an den Nektar zu gelangen. Sie lösen dabei einen Mechanismus aus, wodurch die Pollen als zusammenhängende Pakete explosionsartig aus den Staubbeuteln geschleudert werden und an der Spitze des Griffels kleben bleiben. Der Pollen wird dann zum Teil am Rücken der Biene abgestreift und zur nächsten Blüte transportiert. Verlässt die Biene die Blüte, zieht sich der Griffel wieder in den Kahn zurück und lagert den übrigen Pollen an anderer Stelle ab. Bei jedem weiteren Blütenbesuch bleibt Pollen am Rüssel der Biene hängen und wird dabei an der Narbe der Blüte abgestreift, wodurch es auch zur Selbstbestäubung kommt. Diese doppelte Pollenverlagerung ist Pflanzenreich ziemlich selten.

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Pflanze des Monats November: Untergetauchtes Sternlebermoos (Riccia fluitans) im Orchideenhaus (35)

Ohne Moos nix los

 

Moose zählen zu den ursprünglichsten lebenden Landpflanzen. Sie entwickelten sich vor etwa 400 Millionen Jahren aus wasserbewohnenden Grünalgen. Im Gegensatz zu den Algen besitzen sie eine wächserne Aussenschicht, die sie vor mechanischen Einwirkungen und schneller Austrocknung schützt. Ausserdem bilden sie geschützte Embryonen, die an der Mutterpflanze verbleiben. Diese beiden Errungenschaften machten ein Leben an Land erst möglich. Moose besitzen jedoch noch keine Leitgewebe, in denen Wasser und Nährstoffe in der Pflanze transportiert werden, und bilden keine Blüten und Samen aus. Diese Merkmale weisen die später entstandenen Farne und Blütenpflanze auf. Moose werden in die drei Gruppen Leber-, Laub- und Hornmoose eingeteilt. Innerhalb der Lebermoose unterscheidet man wiederum die beblätterten und die sogenannten thallosen Lebermoose. Letztere haben eine flache, bandförmige Wuchsform und besitzen keine Blättchen.

 

Die Gattung Riccia (Sternlebermoos) zählt zu den thallosen Lebermoosen. Sie umfasst etwa 150 Arten, von denen 19 in der Schweiz vorkommen. Charakteristisch für die Gattung ist der rosettenartige Wuchs, der durch die mehrfach zweiteilig verzweigten Segmente entsteht. Das untergetauchte Sternlebermoos (Riccia fluitans) ist weltweit verbreitet. Es wächst in sauberen, stehenden oder langsam fliessenden Gewässern meist knapp unter der Wasseroberfläche, selten aber auch an Land auf Schlamm. Seine geteilten, bandförmigen Segmente werden bis 4 cm lang und sind etwa 1 bis 2 mm breit. Da die Art nur sehr selten fruchtet, erfolgt die Vermehrung hauptsächlich vegetativ, also über die Ausbildung von Ablegern. Ausserhalb der Tropen sinkt es im Herbst auf den Gewässerboden, wo vor allem die Spitzen der Segmente den Winter überdauern. Aus diesen bilden sich im Frühjahr neue Individuen. Das untergetauchte Sternlebermoos dient Fischen und anderen Wasserlebewesen als Substrat zur Eiablage oder als Versteck. Es wird deshalb und wegen seines dekorativen Aussehens gerne in Aquarien als Zierpflanze verwendet.

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Pflanze des Monats Oktober: Hoheria populnea beim Neuseelandteil (24)

Schnüre und Möbel aus Neuseeland-Endemiten

 

Die Gattung Hoheria aus der Familie der Malvengewächse (Malvaceae) umfasst drei bis sechs Strauch- oder Kleinbaum-Arten. Sie sind endemisch für Neuseeland und die Kermadec Inseln, das heisst sie kommen ausschliesslich dort vor. Der wissenschaftliche Artname der Gattung leitet sich vom maorischen Trivialnamen «Houhere» ab und bezieht sich auf die faserige innere Rindenschicht. Diese Fasern dienten den Maori und frühen europäischen Siedlern zur Herstellung von Schnüren, Tragtaschen, Kleidungsstücken, Kopfbändern und Schmuck. Aus dem Holz der Sträucher werden zudem Möbel hergestellt. Es existieren heute eine Reihe von Zuchtformen und Sorten, die als beliebte Gartenpflanzen kultiviert werden.

 

Hoheria populnea kommt nur auf der Nordinsel Neuseelands vor. Sie wächst dort in lichten Wäldern des Tieflandes und in Gebüschformationen des Offenlandes von der Küste bis zu einer Höhe von 460 m.ü.M. Die Art ist ein immergrüner Strauch und erreicht eine Höhe von bis zu 12 Metern. Die eiförmigen, am Rand gezähnten, oberseits dunkelgrün glänzenden, ledrigen Blätter sind wechselständig angeordnet. Die duftenden Blüten stehen in Blütenständen mit 5 bis 10 Einzelblüten, haben fünf weisse, freie Kronblätter und fünf verwachsene Kelchblätter. An den Naturstandorten blühen die Pflanzen von Februar bis April und sind besonders attraktiv für Schmetterlinge. Aus jeder Blüte entsteht eine harte, breit geflügelte Samenkapsel. Hoheria populnea wurde 1839 durch den englischen Botaniker Allan Cunningham beschrieben, der hauptsächlich in Australien und Neuseeland Pflanzen sammelte und für die Wissenschaft beschrieb.

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Pflanze des Monats September: Scharlach-Hibiskus (Hibiscus coccineus) im Schildkrotenteich bei den Amerikanischen Wasserpflanzen (32)

"Sumpf" und "prachtvoll" passt nicht? In diesem Fall jedoch schon!

 

Die Gattung Hibiscus gehört zur Familie der Malvengewächse (Malvaceae) und umfasst mehrere hundert Arten (je nach Quelle werden 200 bis 680 Arten angegeben). Die meisten Arten kommen in subtropischen und tropischen, manche aber auch in warmgemässigten Zonen der Erde vor. Der Scharlach-Hibiskus (Hibiscus coccineus) ist heimisch in der Küstenebene im Südosten der USA. Sein Ursprungsgebiet erstreckt sich vom südöstlichen Virginia über Florida bis Louisiana im Westen. In den USA wird er auch «Texas Star Hibiscus» genannt, obwohl er nicht natürlicherweise in Texas vorkommt. Die krautige Pflanze mit den bläulich bereiften Stängeln wächst auf dauerhaft feuchten oder überstauten Böden in Sumpfgebieten und Gräben. Sie beeindruckt durch ihre stattliche Grösse von bis 3,5 m, ihre dekorativen, oft etwas rötlichen, handförmig geteilten Blätter und vor allem durch ihre riesigen Blüten mit einem Durchmesser von bis 25 cm. Die 5 Kronblätter sind intensiv scharlachrot. Aus der Mitte der Blüte ragt die sogenannte Columna, eine aus Staubfäden und Griffel verwachsene Säule heraus. In ihrer Heimat profitieren etliche Bestäuber von der reichen Nektar- und Pollenproduktion, darunter verschiedene Kolibris, Schmetterlinge und eine auf Hibiscus spezialisierte, erdbewohnende Solitärbiene (Ptilothrix bombiformis). Der Scharlach-Hibiskus stellt ausserdem eine Futterpflanze für zahlreiche Schmetterlings- und Mottenartendar. Die Art wurde 1765 von William und John Bartram entdeckt und als die stattlichste aller krautigen Pflanzen bezeichnet. Sie wurde schon bald in Gartenlexika und -zeitschriften angepriesen und weltweit als Zierpflanze gehandelt.

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Pflanze des Monats August: Schokoladenblume (Berlanderia lyrata) bei den Freilandsukkulenten der Neuen Welt (25) und in der Duftoase (47)

Schmöckt wie Schoggi

 

Die Schokoladenblume ist eine Pflanzenart aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Die Gattung Berlanderia wurde nach dem belgischen Anthropologen Jean Louis Berlandier (1805–1851) benannt. Der Artname lyrata bezieht sich auf die leiherförmig eingeschnittenen Blätter. Die an der Basis verholzende, mehrjährige Art erreicht eine Wuchshöhe von bis zu 120 cm. Sehr markant ist aber der Aufbau und der Geruch der Blütenstände: jeder Blütenstand hat meist acht gelbe Strahlenblüten am Rand und zahlreiche dunkle Röhrenblüten in der Mitte. Eindrucksvoll ist der Schokoladengeruch der von den Staubblättern, besonders bei starker Sonneneinstrahlung, verströmt wird. Die Art blüht hauptsächlich nachts. Bei hohen Temperaturen verfärben sich die randlichen Strahlenblüten vormittags weiss und fallen herunter, wodurch nur die breiten grünen Hüllblätter und die dunklen Röhrenblüten stehen bleiben und der Blütenstand somit wie ein Auge aussieht. Die Art stammt aus Nordamerika, wo sie in Arizona, Colorado, Kansas, New Mexico, Oklahoma, Texas und Mexiko in Höhenlagen von 700 bis 2200 müM auf trockenen Böden in Wiesen wächst. Die Blütenstände sind essbar und haben einen schokoladen-ähnlichen Geschmack. In der traditionellen Medizin nutzte man die Pflanze, um Magenbeschwerden zu lindern oder durch Verbrennen der getrockneten Wurzeln Nervositätssymptome zu reduzieren oder Mut zu erwecken.

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Pflanze des Monats Juli: Sumpf-Storchschnabel (Geranium palustre) in der Nähe des unteren Insektenhauses (60)

Ohne Stützen liegt er flach

 

Der Sumpf-Storchschnabel ist eine mehrjährige, bis 80 cm hohe Krautpflanze. Seine Stängel tragen nach unten gerichtete Haare. Stängel und Blütenstiele sind zudem drüsenlos. Er blüht von Juni bis September mit etwa drei Zentimeter großen Blüten, die in 2-blütigen Blütenständen stehen. Die purpurroten Kronblätter sind an der Spitze abgerundet. Die reifen Kapseln öffnen sich explosions- artig, wodurch die Samen bis zu 2,5 m weit von der Mutterpflanze weggeschleudert werden. Das Verbreitungsgebiet des Sumpf-Storchschnabels erstreckt sich über Mittel- und Osteuropa. In der Schweiz ist er eher selten zu finden und gilt als potentiell gefährdet.

Als Sumpfpflanze wächst die Art an Ufern und in Hochstaudenfluren an Gräben, Bächen und Teichen sowie auf feuchten bis nassen Wiesen. Der Spreizklimmer bildet nur lockere Bestände und stützt sich mit seinen schlaffen Stängeln an anderen Pflanzen ab, wodurch er in der üppigen Vegetation zum Licht hoch wachsen kann. Fehlen die ihn stützenden Nachbarpflanzen fällt er in sich zusammen. In Gärten wird er aus diesen Gründen nur selten angepflanzt und es werden eher andere Storchschnabelarten mit bodendeckenden Eigenschaften verwendet. Das Rhizom des Sumpf-Storchschnabels hat einen hohen Gerbstoffgehalt und wird in der Volksmedizin gegen Durchfall, Nasenbluten und Magenkatarrh verwendet.

 

Verbreitungskarte Schweiz (Quelle: www.infoflora.ch)

 

Bis am 30. September können im BOGA noch immer viele Vertreter der Storchschnabelgewächse (Geraniaceae) bestaunt werden. Dies im Rahmen der Ausstellung Familientreffen - Die wilden Geranien und ihre einheimischen Verwandten, eine Ausstellung des Kulturprojekts Geranium City - Bern feiert seine Blume.

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Pflanze des Monats Juni: Kapland-Pelargonie, Umckaloabo (Pelargonium sidoides) bei den Afrikanischen Kübelpflanzen (50) und im Sukkulentenhaus (38)

Wundermittel oder Aberglaube?

 

Die Kapland-Pelargonie oder Umckaloabo (Pelargonium sidoides) ist ein kleines ausdauerndes Kraut mit knollig verdickten Rhizomen. Ihre seidig behaarten Blätter sind rundlich bis herzförmig und sitzen auf einem langen Stiel. Anhand ihrer dunkel-roten bis fast schwarzen Blüten kann man die Art von der ähnlichen, aber rosa blühenden Nierenblättrigen Pelargonie (Pelargonium reniforme) unterscheiden. Berühmt wurde die Art bereits am Anfang des 20. Jahrhunderts: Charles Henry Stevens wurde 1897 zur Behandlung seiner Tuberkulose-Erkrankung von seinem Arzt nach Südafrika gebracht und dort von einem Basotho-Heiler mit einem “Wundermittel“ behandelt. Innerhalb von drei Monaten war er vollständig geheilt. Der junge Mann gründete daraufhin 1904 ein Unternehmen, um dieses aus den Wurzeln der Kapland Pelargonie hergestellte Heilmittel unter dem Namen “Stevens' Consumption Cure“ nach Europa zu exportieren. In den 1920er Jahren behandelte der Schweizer Missionsarzt Adrien Sechehaye (Genf) damit rund 800 Tuberkulose-patienten und soll in vielen Fällen klare Heilungseffekte verzeichnet haben. Heute gilt es als eines der am besten wissenschaftlich untersuchten Fertigarzneimittel. In ihren Wurzeln befinden sich zahlreiche sekundäre Inhaltstoffe (z.B. Cumarine, Umckalin, Benzopyranonderivate und Gerbstoffe), die durch alkoholische Extraktion herausgelöst werden können. Ein Wurzelextrakt der Kapland-Pelargonie, häufig in Kombination mit der Nierenblättrigen Pelargonie, ist bei uns zur Behandlung einer akuten Bronchitis zugelassen, jedoch nicht mehr gegen Entzündungen des Nasen- und Rachenraumes. Dem Produkt wird eine antibakterielle und antivirale Wirkung, sowie die Stimulation von Abwehrmechanismen nachgesagt. Unabhängige Studien, die die Wirkung belegen, fehlen jedoch.

 

Bis am 30. September können im BOGA rund 60 Pelargonien (Wildarten) und noch weitere Vertreter der Storchschnabelgewächse (Geraniaceae) bestaunt werden. Dies im Rahmen der Ausstellung Familientreffen - Die wilden Geranien und ihre einheimischen Verwandten, eine Ausstellung des Kulturprojekts Geranium City - Bern feiert seine Blume.

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Pflanze des Monats Mai: Petterie (Petteria ramentacea) im Alpinum - Balkan (6)

Goldregen, Ginster oder doch eine andere Art

 

Die Petterie (Petteria ramentacea), oder Dalmatiner Goldregen, ist die einzige Art der Gattung Petteria, die zur Familie der Schmetterlingsblütler (Fabaceae) gehört. Sie ist mit unseren Ginster (Citisus, Genista) oder Goldregen (Laburnum) verwandt. Die Gattung wurde nach dem österreichischen Geografen und Botaniker Franz Petter (1789–1858) benannt. Der Artname bezieht sich auf die dornartigen Nebenblätter. Er ist vom lateinischen Wort “ramentum“ abgeleitet und bedeutet “Span“. Das Verbreitungsgebiet des bis etwa 2 m hohen Strauchs liegt in Südosteuropa und erstreckt sich von Istrien bis Albanien. Er wächst dort vorwiegend in Trockenwäldern, auf meist trockenen und gut durchlässigen Sandböden. Er gilt als winterhart und überlebt im Botanischen Garten die Winter im Freiland. Seine dreiteilig zusammengesetzten Blätter mit der helleren Unterseite erinnern an jene des Goldregens. Im Gegensatz zu diesem stehen die traubenförmigen Blütenstände mit den gelben duftenden Einzelblüten jedoch aufrecht. Die Blütezeit reicht von Mai bis Juni. Die Bestäubung wird von Insekten übernommen. Wie alle Schmetterlingsblütler bildet die Art Hülsenfrüchte, die mehrere Samen enthalten. Die Blätter und besonders die unreifen Früchte sind giftig, da sie relativ hohe Konzentrationen von Chinolizidin-Alkaloiden (Cytisin und N-Methylcytisin) enthalten. Obwohl die Art frostresistent ist, ist sie nur selten in mitteleuropäischen Baumschulen zu finden und als Zierstrauch in Gärten gepflanzt.

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Pflanze des Monats April: Prophetenblume (Arnebia pulchra) im Steppenhaus (33) und im Alpinum - Asiatische Gebirge (8)

Schwarze Flecken zum Anlocken von Bestäubern?

 

Die Gattung Arnebia aus der Familie der Rauhblattgewächse (Boraginaceae) umfasst rund 40 ein- oder mehrjährige Arten. Alle Arten haben einfache Blätter sowie stieltellerförmige Einzelblüten mit fünfzipfeliger Krone. Das Verbreitungsgebiet der Gattung reicht von Nordafrika bis Zentralasien.

Die Prophetenblume (Arnebia pulchra) ist in Kleinasien, dem Iran und dem Kaukasus einheimisch, wo sie in den Bergen in Höhen zwischen 1500 und 3000 m über dem Meeresspiegel auf durchlässigen Böden wächst. Sie bildet eine grundständige Blattrosette aus bis 15 cm langen, lanzettlichen Blättern und erreicht insgesamt eine Höhe von bis 40 cm. Ihre Blätter und Stiele sind mit rauen Borstenhaaren bedeckt. Von April bis Juni bildet sie zahlreiche, röhrenförmige Blüten. Die ca. 2 cm lange fünfzipfelige Krone ist leuchtend gelb und trägt grosse schwarze Zeichnungen. Man vermutet, dass die Pflanze mit diesen Zeichnungen blütenbesuchende Insekten imitiert, wodurch Bestäuber angelockt werden könnten, die einen reich gedeckten Tisch vermuten, an dem sich bereits viele andere Insekten tummeln. Bei der Prophetenblume verfärben sich die schwarzen Zeichnungen nach der Bestäubung zunächst kastanienbraun bis violett und bilden sich später ganz zurück. Dieses Farbwechsel-Phänomen wurde weltweit bereits bei rund 80 verschiedenen Pflanzenfamilien festgestellt. Die dekorative Prophetenblume ist recht frosthart und wird deshalb häufig in Steingärten der temperaten Zonen als Zierpflanze kultiviert.

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Pflanze des Monats März: Lorbeerblättriger Schneeball (Viburnum tinus) im Mittelmeergebiet (30) neben der Rampe zum WC

Nektar und Pollen für frühe Bestäuber

 

Die Gattung Gattung Schneeball (Viburnum) wird neuerdings, nach der auf molekular-genetischen Analysen beruhenden Systematik, der Familie der Moschuskrautgewächse (Adoxaceae) zugeordnet. Die Gattung umfasst weltweit 150 bis 175 Arten.

Der Lorbeerblättrige Schneeball (Viburnum tinus) ist im gesamten Mittelmeerraum verbreitet und hat sich auf den Britischen Inseln sowie in der Schweiz (Tessin) als Gartenflüchtling in der natürlichen Vegetation eingebürgert. In seiner ursprünglichen Heimat besiedelt er hauptsächlich schattige und feuchte Standorte in lichten Eichenwäldern und Gebüschgesellschaften der sogenannten Macchie. Der immergrüne Strauch erreicht in seltenen Fällen Wuchshöhen bis 7 m. Die gegenständig angeordneten Laubblätter, ein charakteristisches Merkmal der Moschuskraut-gewächse, sind einfach, ledrig, eiförmig und ganzrandig. Die Blattoberseite ist glänzend dunkelgrün und die Blattunterseite ist drüsig behaart. Die duftenden, fünfzähligen, zuerst rosa, später weissen Blüten sind in einem trugdoldigen Blütenstand angeordnet. Diese Blütenstandsform ist ebenfalls ein charakteristisches Merkmal aller Arten der Moschuskrautgewächse. Die Kelchblätter wie auch die Kronblätter sind röhrig verwachsen. Da die Blütezeit von November bis April reicht, eine Zeit wo nur wenige andere Pflanzenarten blühen, stellt die Art eine wichtige Pollen- und Nektarquelle für früh fliegende Insekten dar. Nach der Bestäubung werden die einsamigen, bei Reife bläulich-schwarzen Steinfrüchte gebildet, welche von Vögeln verzehrt und die Samen auf diese Weise ausgebreitet werden.

Der Lorbeerblättrige Schneeball ist unter milden Klimabedingungen winterhart und wird deshalb häufig als Zierpflanze in Gärten kultiviert und weitergezüchtet.

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Pflanze des Monats Februar: Kalanchoe gastonis-bonnieri im Sukkulentenhaus (38)

Jungpflanzen am Blattrand - eine aussergewöhnliche Art der Vermehrung

 

Die Gattung Kalanchoe gehört zur Familie der Dickblattgewächse (Crassulaceae) und umfasst rund 150 sukkulente, meist ausdauernde Arten. Sie kommen auf der Arabischen Halbinsel sowie in tropischen Gebieten Afrikas und Asiens vor. Innerhalb der Gattung unterscheidet man die beiden Sektionen Kalanchoe (mit aufrechten Blüten) und Bryophyllum (mit hängenden Blüten). Arten der Sektion Bryophyllum (deutscher Name: Brutblatt) kommen ausschliesslich auf Madagaskar vor. Ein Grossteil der ca. 35 Arten dieser Sektion bildet an den Blatträndern sogenannte Brutknospen, die zur vegetativen Vermehrung der Pflanze dienen. Aus den Brutknospen entwickeln sich Tochterpflanzen, die sich bei Reife ablösen, herunterfallen und mit den bereits vorhandenen Wurzeln direkt anwachsen. Diesen Ausbreitungsmechanismus nennt man Blastochorie (“Ausbreitung durch Selbstableger“). Kalanchoe gastonis-bonnieri stammt aus dem Nordwesten Madagaskars und wächst dort auf Kalkfelsen in offenen Wäldern, zusammen mit anderen Sukkulenten. Die dekorative und anspruchslose Art wird auch als Zierpflanze in vielen tropischen Regionen kultiviert. Sie bildet an ihrer Basis eine Rosette aus dickfleischigen, oft bläulich bereiften, bräunlich gepunkteten, kahlen, bis 50 cm langen Blättern. Sie wird bis 1 m hoch, wobei der Blütenstand die Hälfte der Gesamtgrösse erreichen kann. Jede Einzelblüte wird bis 5 cm lang. Die Art ist monocarpisch, das heisst sie blüht nur ein einziges Mal in ihrem Leben. Die Mutterpflanze stirbt nach der Samenreife ab, hinterlässt aber neben den zahlreichen Samen noch eine Vielzahl der am Blattrand gebildeten Tochterpflanzen.

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Pflanze des Monats Januar: Drachenbaum-Agave (Agave attenuata) im Sukkulentenhaus (38)

Blühen - zum ersten und letzten Mal

 

Agave ist eine Gattung aus der Familie der Spargelgewächse (Asparagaceae) die über 200 Arten umfasst (Agave s.l.). Der botanische Name Agave (griechisch agavos = edel, prachtvoll, erhaben) leitet sich aus der griechischen Mythologie ab (Tochter von Kadmos und Harmonia). Das Hauptverbreitungsgebiet der Agaven ist Mexico, erstreckt sich jedoch insgesamt über den Süden und Südwesten der Vereinigten Staaten sowie über Mittelamerika bis in das tropische Südamerika. Die dekorativen, relativ anspruchslosen Agaven werden weltweit in frostfreien, zumeist tropischen und subtropischen Regionen kultiviert. Fast alle Agaven-Arten sind monocarpisch, das heisst sie blühen nur ein einziges Mal in ihrem Leben. Die Mutterpflanze stirbt nach der Samenreife ab, hinterlässt aber neben den zahlreichen Samen meistens noch eine Vielzahl von Tochterpflanzen. Bis zur Ausbildung des Blütenstands vergehen oft mehrere Jahrzehnte.

Die Drachenbaum-Agave (Agave attenuata) wächst zwar in den Höhenlagen von Mexico auf 1800 bis 2500 m, ist jedoch sehr frostempfindlich (Schäden ab -2 °C, ab -4 °C stirbt sie bereits). Sie ist eine sukkulente Pflanze mit bis zu 1,5 m hohen Stämmen, die eine Blattrosette an der Spitze tragen. Die eiförmigen, weichen Blätter sind bläulich- bis gelblich-grün und stachellos. Der dichte, meist gebogene Blütenstand, wegen dem die Art auch Schwanenhals-Agave genannt wird, ist mit einer Länge von bis zu 4 Metern besonders üppig und trägt unzählige, grünlichgelbe Blüten. Die Einzelblüten sind nektarreich und wohlriechend, wodurch verschiedene Bestäuber, wie Kolibris, große Nachtfalter oder Fledermäuse angelockt werden.

 

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