Pflanzen des Monats 2014

 Texte: Beat Fischer, Fotos: Markus Bürki

 

 

Pflanze des Monats November: Borstige Begobie (Begonia hispida) im Orchideenhaus (31)

Die Jungpflanzen auf dem Elternblatt

 

In den feuchten tropischen und subtropischen Regionen der Alten und Neuen Welt gedeiht eine enorme Vielfalt an Begonien. Mit rund 1600 verschiedenen Arten zählt sie zu den grössten Gattungen im Pflanzenreich. Die meisten Begonien wachsen als ausdauernde krautige Pflanzen, selten als kleine Sträucher. Aufgrund ihrer farbigen Blüten, der einfachen Kultivierung und Vermehrung durch Stecklinge sind Begonien beliebte Zierpflanzen. Verschiedene Kreuzungen finden sich bei uns oft als Zimmerpflanzen oder in Parkanlagen und auf dem Balkon, wo sie aber den Winter nicht überstehen, da sie Temperaturen unter dem Gefrierpunkt nicht ertragen.

Im tropischen Orchideenhaus blüht zurzeit die Borstige Begonie (Begonia hispida). Sie wird knapp einen Meter hoch und ist am Stängel, an den immergrünen Blättern und sogar auf der Blütenunterseite abstehend borstig behaart. Ihre Blüten leuchten strahlend weiss. Auf einer Pflanze gibt es sowohl männliche als auch weibliche Blüten. Während die männlichen Blüten viele gelbe Staubblätter und meist 2 kleine und zwei grössere Blütenblätter besitzen, zeichnen sich die weiblichen Blüten mit gelben Griffeln und gewöhnlich 5 Blütenblättern aus. Als Bestäuber lockt die Borstige Begonie in ihrer Heimat in Brasilien Bienen an. Da aber nur die männlichen Blüten mit ihrem Pollen den Insekten eine Belohnung anbieten, ist der Besuch einer weiblichen Blüte für das Insekt umsonst, doch dank der Ähnlichkeit der beiden Blütentypen wird die Bestäubung dennoch gewährleistet. Die Borstige Begonie besitzt zudem noch eine weitere Möglichkeit zur Vermehrung: auf den Blättern gedeihen kleine Jungpflanzen, die sich von der Mutterpflanze ablösen und zu neuen Pflanzen heranwachsen können. 

Pflabzenporträt als PDF

Pflanze des Monats Oktober: Prinzessinnenstrauch (Tibouchina urvilleana) auf der Sukkulentenhausterrasse und ab Mitte Monat im Sukkulentenhaus (34)

Bestäubung mit Haken

 

Während der Blütezeit ist der Prinzessinnenstrauch (Tibouchina urvilleana) eine wahre Augenweide. Das immergrüne, bis 6 m hohe Gehölz mit seinen samtig behaarten Blättern stammt aus dem südlichen Brasilien. Zur Hochblüte wird es von unzähligen violetten Blüten bedeckt. Bei näherer Betrachtung einer einzelnen Blüte fällt auf, dass sich im Zentrum der fünf Kronblätter nebst dem langen, rosaroten Griffel zwei verschiedene Typen von Staubblättern befinden: die fünf oberen, kurzen Staubblätter produzieren nur sterilen Pollen, der den bestäubenden Bienen als Futter zur Belohnung angeboten wird. Die fünf unteren Staubblätter mit den charakteristischen langen, dunkelvioletten und hakenförmigen Anhängseln hingegen bilden fertilen Pollen für die Reproduktion. Bei der Bestäubung funktionieren diese Haken als Halterung für die Bienenbeine und der fertile Pollen wird nur durch Vibration des Brustkorbes heraus geschüttelt. Er haftet am Bienenkörper und gelangt von der Biene unbemerkt zur nächsten Blüte, während der Futter-Pollen an den Hinterbeinen gelagert und so ins Bienennest transportiert wird. Dieser komplexe Bestäubungsvorgang findet sich bei etlichen Arten aus der Familie der Schwarzmundgewächse (Melastomataceae), die mit rund 4500 Arten weltweit in fast allen tropischen Gebieten gedeihen. Ein weiteres typisches Familienmerkmal betrifft die Nervatur ihrer Blätter, die aus mehreren bogig vom Blattansatz zur Blattspitze verlaufenden Hauptadern besteht. Diese Hauptadern sind durch mehr oder weniger rechtwinklig abzweigende Seitenadern miteinander verbunden. Ihren Familiennamen verdanken sie der Eigenschaft, dass einige Arten nach dem Genuss der essbaren Beeren einen schwarzen Mund hinterlassen.

Pflanzenporträt als PDF

Pflanze des Monats September: Hanfförmiger Eibisch (Althaea cannabina) beim Insektenhaus (36)

Eine alte Faserpflanze blüht auf

 

Einige der wichtigsten Nutzpflanzen gehören zur Familie der Malvengewächse (Malvaceae), die weltweit verbreitet sind und rund 4300 Arten enthalten. Dazu zählen die Baumwolle, aus deren Samenhaaren eine Naturfaser gewonnen wird, der Kakaobaum, dessen Samen zu Schokolade verarbeitet wird oder der Chinesische Hibiskus, der dank seinen bezaubernden Blüten eine der am häufigsten kultivierten Zierpflanze auf unserem Planeten ist. Auch der bis 2 m hohe Hanfblättrige Eibisch (Althaea cannabina) wird in unseren Breitengraden hauptsächlich als Zierpflanze verwendet. Früher wurden aus seinen langen Stängeln Fasern zur Seil- und Papierproduktion gewonnen. Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet der alten Faserpflanze reicht von der Iberischen Halbinsel über die Türkei bis nach Pakistan und sie gedeiht bevorzugt an sonnigen Standorten mit feuchten Böden. Die aufrechte Staude ist sommergrün und ihre einfachen Blätter sind handförmig geteilt. Sie ähneln denen des Hanfs. Von Juli bis September trägt der Hanfblättrige Eibisch dunkelrosa becherförmige Blüten mit schmalen senkrecht verlaufenden rosa-violetten Streifen. Diese Strichsaftmale weisen den bestäubenden Bienen den Weg zu den Nektardrüsen. Nektar wird aber nur mässig angeboten, dafür reichlich Pollen. Die zahlreichen Staubblätter sind wie bei den meisten Malvengewächsen zu einer den Griffel umgebenden Säule verwachsen. Um eine Selbstbestäubung zu verhindern, wendet die Pflanze einen Trick an: In den Blüten öffnen sich zuerst die Staubblätter, sie sind «vormännlich». Erst nach ihrer Entleerung krümmen sich alle Staubfäden nach aussen, sodass die Bienen freien Zugang zu den nun empfängnisfähigen Narben haben.

Pflanzenporträt als PDF

Pflanze des Monats August: Chilenische Gunnera (Gunnera tinctoria) bei der Grotte (38)

WG mit Bakterien

 

Sie zählt zu den grössten Stauden auf der Erde und ihr Anblick ist wahrlich imposant. Die Rede ist von der Chilenischen Gunnera (Gunnera tinctoria), die an feuchten und schattigen Standorten Patagoniens wächst. Beeindruckend sind ihre gigantischen, rundlichen Blätter, die einen Durchmesser von 1.5 m aufweisen können. Die Blattoberfläche ist runzelig und rau. Im Winter zieht die mehrjährige Pflanze die spektakulären Blätter ein. Ihre Blütezeit dauert von Juli bis August. Weibliche und zwittrige Blüten wachsen unter den Blättern und sind kolbenartig angeordnet. Sie werden vor allem von Bienen bestäubt. Die kleinen rötlichen Früchte locken Vögel an. Das enorme Wachstum wird durch eine besondere Lebensgemeinschaft ermöglicht: Im pflanzlichen Gewebe existieren Kolonien von winzigen Cyanobakterien der Art Nostoc punctiforme. Diese fixieren Luftstickstoff und düngen so ihren pflanzlichen Partner. Als Gegenleistung erhalten die Bakterien nebst der Wohngemeinschaft Zuckerprodukte. Diese aussergewöhnliche Symbiose ist nur bei den rund 40 Gunnera-Arten aus der gleichnamigen Familie der Gunneragewächse (Gunneraceae) bekannt, die von den Tropen bis in die südhemisphärisch gemässigten Zonen heimisch sind. In ihrer Heimat werden die geschälten jungen Blattstiele der Chilenischen Gunnera mit Salz als Delikatesse gegessen. Bei uns ist die riesige Staude eine beliebte Zierpflanze. In Irland und Neuseeland verwilderte sie jedoch aus den Gärten, verdrängt die einheimische Flora und gilt dort als invasiver Neophyt. Der Gattungsname Gunnera ehrt den norwegischen Bischof und Botaniker Johan Ernst Gunnerus (1718 – 1773), der ein Pflanzenwerk über Norwegen verfasste.

Pflanzenporträt als PDF

Pflanze des Monats Juli: Eselsdistel (Onopordum acanthium) im Heilpflanzengarten (15)

Gut gegen Wikinger

 

Etliche Pflanzen haben ihren festen Platz im Reich der Legenden, so auch die Eselsdistel (Onopordum acanthium) aus der Familie der Korbblütler (Asteraceae). Im Jahre 1263 griffen in der Schlacht von Largs die Wikinger nachts die schlafenden schottischen Soldaten an. Weil die Wikinger jedoch mit ihren nackten Füssen auf Disteln traten, verrieten sie sich durch ihr Geschrei und die Schotten konnten sie erfolgreich abwehren. So wurde die Eselsdistel sowohl zur Wappenpflanze Schottlands als auch des königlichen Geschlechts der Stuarts und gilt seither als Symbol für den Kampf um Freiheit und Unabhängigkeit.

Sie ist wahrlich eine imposante und wehrhafte Erscheinung. Nach der Keimung bildet die zweijährige Pflanze eine grundständige Blattrosette. Ihre silbriggrauen, mit spinnwebigen Haaren bedeckten Blätter sind von dicken Rippen durchzogen, an deren Rändern sich spitzige Dornen befinden. Im zweiten Jahr erreicht die Pflanze eine Wuchshöhe von bis 3 m. Ihre Blattflügel stabilisieren den Stängel und leiten das Regenwassers direkt in den Wurzelbereich. Die bestens an die Trockenheit angepasste Pflanze ist dicht grau-weissfilzig, was die Verdunstung mindert. Die ausladenden, dornigen Blätter bilden einen wirksamen Schutz gegen gefrässige Weidetiere. Die endständigen, über 5 cm breiten Blütenkörbe sind kugelig und mit unzähligen purpurroten Röhrenblüten gefüllt. Schmetterlinge mit ihren langen Rüsseln gelangen an den süssen Nektar und bestäuben die Pflanze. Der lateinische Name leitet sich aus den griechischen Wörtern «onos» = Esel und «porde» = Blähung ab. Esel fressen diese Pflanze zwar mit Vorliebe, leiden danach aber unter lästigen Blähungen. Demgegenüber schätzt der Mensch die Blütenkörbchen und deren Böden als artischockenähnliches Gemüse.

 

Verbreitungskarte Schweiz (Quelle: www.infoflora.ch)

Pflanzenporträt als PDF

Pflanze des Monats Juni: Baumanemone (Carpenteria californica) auf der Terrasse vor dem Sukkulentenhaus (34) beim Café Fleuri

Spiegelei-Blüten beim Café Fleuri

 

Exotische Pflanzen tragen oft irreführende deutsche Pflanzennamen, dies gilt auch für die Baumanemone (Carpenteria californica). Während der Blütezeit ist ihr Anblick atemberaubend. Der bis 3 m hohe Strauch mit immergrünen, lanzettlichen Blättern entfaltet seine ganze Pracht im Juni und blüht bis in den Sommer. Die einzelnen Blüten bestehen aus 5 bis 8 reinweissen Kronblättern und fassen unzählige goldene Staubblätter ein, die den Fruchtknoten im Zentrum verbergen. Angelockt von den zahllosen Blüten und einem feinen Duft, bestäuben Insekten die Pflanze und werden reichlich mit Pollen belohnt. Da die Blüten einer Anemone (Pulsatilla) ähneln, einem Hahnenfussgewächs, entstand in Amerika der irreführende Name «Bush Anemone»; dabei zählt die Baumanemone zur Familie der Hortensiengewächse (Hydrangeaceae), die mit rund 220 Arten vor allem in den nördlichen gemässigten Breiten und den Subtropen beheimatet sind. Die Baumanemone ist die einzige Art ihrer Gattung und aufgrund der Zerstörung ihres Lebensraumes sehr selten. Sie gedeiht nur noch an sieben Standorten in Kalifornien, im Hügelgebiet der Sierra Nevada in Höhenlagen zwischen 340 und 1340 m. Dabei ist sie an das mediterrane Klima in Kalifornien bestens angepasst und vermag nach einem Feuer wieder auszutreiben. Angesichts ihres bezaubernden Farbspektakels während der Blütezeit ist sie eine beliebte Zierpflanze. Seit 1875 in Kultur, existieren heute mehr Exemplare in Gärten als in der freien Wildbahn. Im Botanischen Garten der Universität Bern fühlt sich die Kübelpflanze, die jeweils in der Orangerie überwintert, seit über 40 Jahren wohl und passt mit ihren spiegeleiähnlichen Blüten bestens auf die Sukkulenten-Terrasse beim Café Fleuri.

Pflanzenporträt als PDF

Pflanze des Monats Mai: Gelbhorn (Xanthoceras sorbifolium) an der Mauer unterhalb der Anzuchthäuser (50)

Wen Guan Guo

 

Das Gelbhorn (Xanthoceras sorbifolium) gehört zu den grosszügigen Pflanzen: Seine Blüten, die vor den gefiederten Blättern erscheinen, leuchten zwischen Mitte April und Mai zu Abertausenden und verwandeln den laubwerfenden Baum oder Strauch in eine weisse Wolke mit farbigen Tupfern, ein Spektakel sondergleichen. Die Blüten sind entweder männlich oder zwittrig, gedeihen auf dem gleichen Individuum, aber nicht am selben Blütenstand. Zwischen den fünf Kronblättern befinden sich die namensgebenden, orange-gelben, hornartigen Anhängsel. Die bestäubenden Insekten, insbesondere Bienen, werden nebst der Blütenfülle durch den wohlriechenden Duft angelockt. Die 2 bis 3 cm grossen, weissen Blüten wechseln ihre Farbe an der Basis: frisch sind sie gelb und nach der Bestäubung karminrot. Im Frühherbst entwickeln sich bis 7 cm grosse, braune, verholzte Früchte, die sich bei der Reife in drei Teile aufspalten und 6 bis 18 braune Samen hervorbringen. Das Gelbhorn stammt aus dem nördlichen China, wird bis 5 m hoch und ist ein Seifenbaumgewächs (Sapindaceae), zu der auch die Gewöhnliche Rosskastanie (Aesculus hippocastanum) gehört. 1866 wurde das Gelbhorn erstmals von China nach Europa eingeführt, als der französische Missionar und Naturforscher Armand David Samen an den Jardin des Plantes in Paris sandte. Seitdem wird das attraktive Gehölz bei uns vereinzelt als Zierpflanze angebaut. Wen Guan Guo, so lautet der chinesische Name des Gelbhorns, wird in Asien vielfältig verwendet: Blätter, Blüten und Samen sind essbar und in der chinesischen Medizin dient es gegen Rheuma.

Pflanzenporträt als PDF

Pflanze des Monats April: Armands Waldrebe (Clematis armandii) am Birlihaus (45)

Betörender Duft aus China

 

China ist der drittgrösste Staat auf unserer Erde und beherbergt mit über 30‘000 Pflanzenarten eine enorme Vielfalt. Dies blieb auch den englischen Pflanzenjägern des 19. Jahrhunderts nicht verborgen, die gezielt Zierpflanzen aus aller Welt aufspürten und zwecks Aufzucht und Verkauf nach Europa brachten. Ernest Henry Wilson war ein solcher Pflanzensammler, der vor allem die Pflanzenwelt Chinas erforschte. Ihm verdanken wir die Einführung von über 1000 Arten; es gibt wohl keinen Garten, in dem nicht wenigstens eine davon steht. Auf seiner Suche nach dem Taschentuchbaum (Davidia involucrata), den er nach einem Jahr voller Strapazen auch fand, entdeckte der Gärtner und Botaniker 1900 auch einen prachtvollen Kletterstrauch: Armands Waldrebe (Clematis armandii). Das Hahnenfussgewächs (Ranunculaceae) wird bis 6 m hoch und klettert an Bäumen, Sträuchern oder Zäunen empor. Die immergrünen, lanzettlichen Blätter sind dreizählig, derb und ledrig. Während der Blütezeit zwischen März und April leuchten seine 4- oder 5-zähligen creme-weissen Blüten und verströmen einen betörenden Duft, um die bestäubenden Insekten anzulocken. Sein Ursprungsgebiet liegt in China und Myanmar. Heute findet sich der beliebte Zierstrauch vor allem südlich der Alpen, bei uns ist er selten, da wenig winterhart. Seinen Artnamen armandii verdankt diese Waldrebe dem französischen Missionar und Naturforscher Armand David, welcher im 19. Jahrhundert in China etliche Pflanzen und Tiere wissenschaftlich erforschte und als erster Europäer Samen des Taschentuchbaums, welcher dann nach ihm benannt wurde, nach Paris schickte.

Pflanzenporträt als PDF

Pflanze des Monats März: Kronen-Anemone (Anemone coronaria) im Mittelmeerhaus (30)

Beliebt bei Menschen und Insekten

 

Bereits die Römer waren vor rund 2000 Jahren von ihrer Schönheit angetan. Dank ihrer attraktiven Blüten wurde die Kronen-Anemone (Anemone coronaria) als Zierpflanze kultiviert und als Schnittblume gehandelt; sie ist bis heute als Garten-Anemone mit zahlreichen Sorten im Handel erhältlich. Ihre Heimat liegt im Mittelmeergebiet, wo sie weit verbreitet ist. Sie wächst in Olivenhainen und Weinbergen, auf Felsfluren, in offenen Strauchformationen und Brachfeldern. Die mehrjährige Pflanze erreicht eine Wuchshöhe von rund 30 cm. Ihre dreiteiligen Grundblätter sind tief eingeschnitten. Unter den Einzelblüten befinden sich drei zerschlitzte Stängelblätter, die vor der Blüte als Knospenschutz dienen. Die meist 5 bis 8 Blütenblätter sind unterseits seidenhaarig und ihr variables Farbenspektrum reicht von scharlachrot über blau bis zu rosa oder weiss. Die zahlreichen Staubblätter haben blaue oder purpurne Staubbeutel und werden von hellen Saftmalen am Grunde der Blütenblätter umgeben, welche ihre Leuchtkraft verstärken. Obwohl die Pflanze keinen Nektar produziert, werden die bestäubenden Insekten wie Bienen, Käfer oder Schwebfliegen beim Blütenbesuch mit reichlich Pollen belohnt. Die Blütezeit der Kronen-Anemone reicht von Dezember bis Mai. Nach der Fruchtbildung zieht die Pflanze ihre Nährstoffe in ihre Knolle zurück und überdauert so die trockene Sommerzeit. Die Gattung der Anemonen zählt rund 150 Arten, die vor allem in Eurasien verbreitet sind. Sie gehören zur Familie der Hahnenfussgewächse (Ranunculaceae). Wie die meisten anderen Vertreter aus dieser Familie ist die Kronen-Anemone giftig und ihr scharfer Saft kann zu Hautreizungen führen.

Pflanzenporträt als PDF

Pflanze des Monats Februar: Garnelen-Justicia (Justicia brandegeeana) im Orchideenhaus (31)

Grosse Ehre für James Justice

 

James Justice war ein schottischer Gärtner, der vor 300 Jahren lebte. Seine Leidenschaft für Pflanzen und seine Vorliebe für kostspielige botanische Experimente machten ihn berühmt. Doch leider führten finanzielle Probleme zu seinem Ruin. Aufgrund seiner Schulden verliess ihn seine Frau und er verstarb in Armut. Doch Carl von Linné erkannte und würdigte die Arbeiten von James Justice. 1753 benannte Linné die Gattung Justicia nach ihm. Mit rund 600 verschiedenen Arten, die vor allem in den Tropen der Alten und der Neuen Welt verbreitet sind, ist sie die formenreichste Gattung in der Familie der Akanthusgewächse (Acanthaceae). Auch im Botanischen Garten Bern ist die attraktive Gattung vertreten. Im Orchideenhaus blüht zurzeit die Garnelen-Justicia (Justicia brandegeeana). Der immergrüne Strauch wird bis zu einem Meter hoch und stammt aus Mexiko, wo er im Unterwuchs von feuchten Wäldern gedeiht. Bezeichnend sind seine exponierten Blütenstände mit den leuchtend roten, dachziegelartig angeordneten Hochblättern, die dem gegliederten Körper einer Garnele ähneln. Die eigentlichen Blüten sind viel kleiner und ragen zwischen den Hochblättern heraus. Sie sind zweilippig geformt, weiss und haben violette Saftmerkmale. Dank dem intensiven Rot der unzähligen Hochblätter werden die Bestäuber, insbesondere Kolibris und Schmetterlinge, von weitem angelockt. Beim Blütenbesuch weisen die Saftmerkmale den Bestäubern den direkten Weg zum Nektar, der ihnen als Belohnung reichlich angeboten wird. Die Garnelen-Justicia wird bei den Huaxteken in Mexiko gegen Durchfall und zur Wundbehandlung verwendet. Zudem ist sie weltweit eine beliebte Zierpflanze.

Pflanzenporträt als PDF

Pflanze des Monats Januar: Zitronengras (Cymbopogon citratus) im Palmenhaus (32), im Sommer in der Duftoase beim Heilpflanzengarten (15)

Das unentbehrliche Gewürz-Gras

 

Mit über 10'000 Arten weltweit zählt die Familie der Süssgräser (Poaceae) zu den grössten innerhalb der Blütenpflanzen. Süssgräser wachsen auf allen Kontinenten und gedeihen in fast jedem Lebensraum. Sie gehören zu den ältesten Nutzpflanzen. Reis, Weizen und Mais bilden unsere wichtigsten Nahrungspflanzen. Süssgräser werden überdies zur Gewinnung von Stärke und Zucker, als Baustoffe oder zur Herstellung von Treibstoffen verwendet. Doch nur wenige Arten eignen sich als Gewürzpflanzen, wie etwa das Zitronengras (Cymbopogon citratus). Das tropische, schilfartige Gras erreicht eine Wuchshöhe von 2 m und blüht zurzeit im Palmenhaus. Der Ursprung des Zitronengrases ist unbekannt, liegt aber sehr wahrscheinlich in Südostasien, wo es seit Jahrhunderten als Kulturpflanze geschätzt wird. Die überhängenden, bis 1 m langen Blätter haben raue Ränder und dienen der Pflanze als Frassschutz. Doch genau diese grünen Pflanzenteile, insbesondere die saftigen Halme und die angeschwollene Basis der Blätter enthalten ätherische Öle wie Citral, welches dem Gras den unverkennbaren zitronenartigen Geruch verleiht. Daher ist das Zitronengras in der asiatischen Küche ein unentbehrliches Gewürz. Verwendet wird nur der untere Teil der Blätter, der höherliegende Rest ist zu faserig. Da die ätherischen Öle flüchtig sind, verwertet man vorzugsweise frische Blätter, getrocknetes Zitronengras weist nur ein schwaches Aroma auf. Zudem wird es als Tee gebraut, für die Parfümindustrie angebaut und als Insektizid eingesetzt. Als Heilkraut wirkt es anregend, erfrischend und fördert die Konzentration und das Denkvermögen.

Pflanzenporträt als PDF
zurück zum Anfang