Pflanzen des Monats 2014

 Texte: Beat Fischer, Fotos: Markus Bürki

 

 

Pflanze des Monats April: Armands Waldrebe (Clematis armandii) am Birlihaus (45)

Betörender Duft aus China

 

China ist der drittgrösste Staat auf unserer Erde und beherbergt mit über 30‘000 Pflanzenarten eine enorme Vielfalt. Dies blieb auch den englischen Pflanzenjägern des
19. Jahrhunderts nicht verborgen, die gezielt Zierpflanzen aus aller Welt aufspürten und zwecks Aufzucht und Verkauf nach Europa brachten. Ernest Henry Wilson war ein solcher Pflanzensammler, der vor allem die Pflanzenwelt Chinas erforschte. Ihm verdanken wir die Einführung von über 1000 Arten; es gibt wohl keinen Garten, in dem nicht wenigstens eine davon steht. Auf seiner Suche nach dem Taschentuchbaum (Davidia involucrata), den er nach einem Jahr voller Strapazen auch fand, entdeckte der Gärtner und Botaniker 1900 auch einen prachtvollen Kletterstrauch: Armands Waldrebe (Clematis armandii). Das Hahnenfussgewächs (Ranunculaceae) wird bis 6 m hoch und klettert an Bäumen, Sträuchern oder Zäunen empor. Die immergrünen, lanzettlichen Blätter sind dreizählig, derb und ledrig. Während der Blütezeit zwischen März und April leuchten seine 4- oder 5-zähligen creme-weissen Blüten und verströmen einen betörenden Duft, um die bestäubenden Insekten anzulocken. Sein Ursprungsgebiet liegt in China und Myanmar. Heute findet sich der beliebte Zierstrauch vor allem südlich der Alpen, bei uns ist er selten, da wenig winterhart. Seinen Artnamen armandii verdankt diese Waldrebe dem französischen Missionar und Naturforscher Armand David, welcher im 19. Jahrhundert in China etliche Pflanzen und Tiere wissenschaftlich erforschte und als erster Europäer Samen des Taschentuchbaums, welcher dann nach ihm benannt wurde, nach Paris schickte.

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Pflanze des Monats März: Kronen-Anemone (Anemone coronaria) im Mittelmeerhaus (30)

Beliebt bei Menschen und Insekten

 

Bereits die Römer waren vor rund 2000 Jahren von ihrer Schönheit angetan. Dank ihrer attraktiven Blüten wurde die Kronen-Anemone (Anemone coronaria) als Zierpflanze kultiviert und als Schnittblume gehandelt; sie ist bis heute als Garten-Anemone mit zahlreichen Sorten im Handel erhältlich. Ihre Heimat liegt im Mittelmeergebiet, wo sie weit verbreitet ist. Sie wächst in Olivenhainen und Weinbergen, auf Felsfluren, in offenen Strauchformationen und Brachfeldern. Die mehrjährige Pflanze erreicht eine Wuchshöhe von rund 30 cm. Ihre dreiteiligen Grundblätter sind tief eingeschnitten. Unter den Einzelblüten befinden sich drei zerschlitzte Stängelblätter, die vor der Blüte als Knospenschutz dienen. Die meist 5 bis 8 Blütenblätter sind unterseits seidenhaarig und ihr variables Farbenspektrum reicht von scharlachrot über blau bis zu rosa oder weiss. Die zahlreichen Staubblätter haben blaue oder purpurne Staubbeutel und werden von hellen Saftmalen am Grunde der Blütenblätter umgeben, welche ihre Leuchtkraft verstärken. Obwohl die Pflanze keinen Nektar produziert, werden die bestäubenden Insekten wie Bienen, Käfer oder Schwebfliegen beim Blütenbesuch mit reichlich Pollen belohnt. Die Blütezeit der Kronen-Anemone reicht von Dezember bis Mai. Nach der Fruchtbildung zieht die Pflanze ihre Nährstoffe in ihre Knolle zurück und überdauert so die trockene Sommerzeit. Die Gattung der Anemonen zählt rund 150 Arten, die vor allem in Eurasien verbreitet sind. Sie gehören zur Familie der Hahnenfussgewächse (Ranunculaceae). Wie die meisten anderen Vertreter aus dieser Familie ist die Kronen-Anemone giftig und ihr scharfer Saft kann zu Hautreizungen führen.

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Pflanze des Monats Februar: Garnelen-Justicia (Justicia brandegeeana) im Orchideenhaus (31)

Grosse Ehre für James Justice

 

James Justice war ein schottischer Gärtner, der vor 300 Jahren lebte. Seine Leidenschaft für Pflanzen und seine Vorliebe für kostspielige botanische Experimente machten ihn berühmt. Doch leider führten finanzielle Probleme zu seinem Ruin. Aufgrund seiner Schulden verliess ihn seine Frau und er verstarb in Armut. Doch Carl von Linné erkannte und würdigte die Arbeiten von James Justice. 1753 benannte Linné die Gattung Justicia nach ihm. Mit rund 600 verschiedenen Arten, die vor allem in den Tropen der Alten und der Neuen Welt verbreitet sind, ist sie die formenreichste Gattung in der Familie der Akanthusgewächse (Acanthaceae). Auch im Botanischen Garten Bern ist die attraktive Gattung vertreten. Im Orchideenhaus blüht zurzeit die Garnelen-Justicia (Justicia brandegeeana). Der immergrüne Strauch wird bis zu einem Meter hoch und stammt aus Mexiko, wo er im Unterwuchs von feuchten Wäldern gedeiht. Bezeichnend sind seine exponierten Blütenstände mit den leuchtend roten, dachziegelartig angeordneten Hochblättern, die dem gegliederten Körper einer Garnele ähneln. Die eigentlichen Blüten sind viel kleiner und ragen zwischen den Hochblättern heraus. Sie sind zweilippig geformt, weiss und haben violette Saftmerkmale. Dank dem intensiven Rot der unzähligen Hochblätter werden die Bestäuber, insbesondere Kolibris und Schmetterlinge, von weitem angelockt. Beim Blütenbesuch weisen die Saftmerkmale den Bestäubern den direkten Weg zum Nektar, der ihnen als Belohnung reichlich angeboten wird. Die Garnelen-Justicia wird bei den Huaxteken in Mexiko gegen Durchfall und zur Wundbehandlung verwendet. Zudem ist sie weltweit eine beliebte Zierpflanze.

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Pflanze des Monats Januar: Zitronengras (Cymbopogon citratus) im Palmenhaus (32), im Sommer in der Duftoase beim Heilpflanzengarten (15)

Das unentbehrliche Gewürz-Gras

 

Mit über 10'000 Arten weltweit zählt die Familie der Süssgräser (Poaceae) zu den grössten innerhalb der Blütenpflanzen. Süssgräser wachsen auf allen Kontinenten und gedeihen in fast jedem Lebensraum. Sie gehören zu den ältesten Nutzpflanzen. Reis, Weizen und Mais bilden unsere wichtigsten Nahrungspflanzen. Süssgräser werden überdies zur Gewinnung von Stärke und Zucker, als Baustoffe oder zur Herstellung von Treibstoffen verwendet. Doch nur wenige Arten eignen sich als Gewürzpflanzen, wie etwa das Zitronengras (Cymbopogon citratus). Das tropische, schilfartige Gras erreicht eine Wuchshöhe von 2 m und blüht zurzeit im Palmenhaus. Der Ursprung des Zitronengrases ist unbekannt, liegt aber sehr wahrscheinlich in Südostasien, wo es seit Jahrhunderten als Kulturpflanze geschätzt wird. Die überhängenden, bis 1 m langen Blätter haben raue Ränder und dienen der Pflanze als Frassschutz. Doch genau diese grünen Pflanzenteile, insbesondere die saftigen Halme und die angeschwollene Basis der Blätter enthalten ätherische Öle wie Citral, welches dem Gras den unverkennbaren zitronenartigen Geruch verleiht. Daher ist das Zitronengras in der asiatischen Küche ein unentbehrliches Gewürz. Verwendet wird nur der untere Teil der Blätter, der höherliegende Rest ist zu faserig. Da die ätherischen Öle flüchtig sind, verwertet man vorzugsweise frische Blätter, getrocknetes Zitronengras weist nur ein schwaches Aroma auf. Zudem wird es als Tee gebraut, für die Parfümindustrie angebaut und als Insektizid eingesetzt. Als Heilkraut wirkt es anregend, erfrischend und fördert die Konzentration und das Denkvermögen.

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