Pflanzen des Monats 2013
Pflanze des Monats Juni: Diptam (Dictamnus albus) im Heilpflanzengarten (15) und Trockenen Wallis des Alpinums (9)
Der brennende Busch
Der Diptam (Dictamnus albus) ist eine wahre Augen- und Nasenweide. Die ganze Pflanze verströmt durch seine ätherischen Öle einen betörenden Duft nach Zitrone. Dies ist ein charakteristisches Familienmerkmal der Rautengewächse (Rutaceae), zu denen auch alle Zitrusfrüchte gehören. Der Diptam wird rund 120 cm hoch. Seine gefiederten, eschenähnlichen Blätter werden von einem attraktiven Blütenstand mit rosafarbenen, dunkel geaderten Kronblättern überragt. Dabei sind vier Kronblätter nach oben gerichtet und das fünfte nach unten. Der Stängel, die Blüten und vor allem die zehn gebogenen Staubblätter sind mit dunklen Drüsen übersät, die den stark aromatischen Duft erzeugen und erfolgreich Bienen und Hummeln zwecks Bestäubung anlocken. Nach der Fruchtreife werden die Samen explosionsartig bis fünf Meter weit weggeschleudert. An einem heissen, windstillen Sommertag kann die Ausdünstung so stark sein, dass die Duftwolke mit einem Streichholz angezündet werden kann. Diese Eigenschaft verhalf der Pflanze zum Beinamen «Brennender Busch».
Im Mittelalter wurde der Diptam arzneilich bei Frauenkrankheiten angewendet. Aufgrund seiner Giftigkeit wird er heutzutage nur noch selten als Heilpflanze eingesetzt, da bereits leichte Berührungen mit der Haut bei Sonnenlicht zu Verbrennungen führen können.
Die wärmeliebende Pflanze gedeiht vor allem auf kalkhaltigen Böden in lichten Wäldern, Trockenwiesen und felsigen Hängen. Ihr natürliches Verbreitungsgebiet erstreckt sich von Südeuropa bis nach China. In der Schweiz ist der geschützte Diptam selten und kommt nur in den Kantonen Tessin, Wallis, Waadt und Schaffhausen vor.
Verbreitungskarte Schweiz (Quelle: www.infoflora.ch)
Pflanze des Monats Mai: Winterrinde (Drimys winteri) auf der Terrasse vor dem Sukkulentenhaus (34)
Vitamin C in Pflanzenform
Als Sir Francis Drake auf seiner Weltumsegelung im Jahre 1578 das Kap Hoorn im südlichen Chile passierte, gerieten sie in einen 50-tägigen Sturm. Danach litten viele Männer an Bord an Skorbut, einer Vitaminmangelerkrankung, insbesondere dem Fehlen von Vitamin C. Daraufhin sandte der Kapitän seines Begleitbootes, John Winter, eine Suchmannschaft auf das Festland, um ein Heilmittel gegen die Krankheit zu finden. Sie kehrten mit Rindenstücken eines kleinen Baumes zurück, der sie heilen konnte, Jahrhunderte bevor Vitamin C isoliert wurde. Dabei handelt es sich um die Winterrinde (Drimys winteri), welche zu Ehren des Kapitäns nach ihm benannt wurde. Der immergrüne, bis 30 m hohe Baum kam ursprünglich nur im südlichen Chile und Argentinien vor, vorwiegend im Valdivianischen Regenwald. Bei den Mapuche, den Ureinwohnern, wird die Winterrinde sowohl als Heilpflanze, als auch als heiliger Baum verehrt. Seine länglichen, ledrigen Blätter glänzen. Die 10 – 20 weissen Kronblätter sind sternförmig angeordnet und umgeben die zahlreichen, gelben Stäubblätter. Die Winterrinde gehört zur gleichnamigen Familie der Winteraceae, welche rund 120 Arten umfasst und nah mit den Magnoliengewächsen verwandt ist.
Der aromatische Baum überwintert im Botanischen Garten Bern als Kübelpflanze in der Orangerie und steht nun auf der Freiland-Terrasse vor dem Sukkulentenhaus, gleich beim Café Fleuri, welches das Vitamin C mit einer hausgemachten Zitruslimonade anbietet.
Pflanze des Monats April: Leberblümchen (Hepatica nobilis) in der Hallerrabatte (37) und im Heilpflanzengarten (15)
Partnerschaft mit Ameisen
Das Leberblümchen ist ein typischer Frühjahrsblüher. Zwischen März und April entfalten sich ihre strahlenden, blaulila Blüten. In lichten Buchen- und Eichenwäldern mit kalkhaltigem, steinigem Untergrund überzieht dieses mehrjährige Hahnenfussgewächs (Ranunculaceae) teppichartig den Boden. Die dreilappigen, leicht ledrigen Blätter sind auf der Unterseite violett getönt und überdauern meist den Winter. Neue Blätter entfalten sich erst nach der Blüte. Diese bestehen aus 5-10 Blütenblättern. Ihre bläuliche Farbe beruht auf dem Farbstoff Anthocyan, welcher Licht in Wärme umwandeln kann und so die Pflanze vor harten Frösten schützt. Ein Kreis weisslicher Staubblätter umgibt das Blütenzentrum mit seinen zahlreichen Fruchtknoten. Die Blütezeit der einzelnen Pflanzen beträgt rund eine Woche. In der Nacht und bei Regenwetter schliessen sich die Blüten, bei Tageslicht und schönem Wetter stehen sie weit offen und locken ihre Bestäuber an. Obwohl das Leberblümchen Bienen, Käfern und anderen Insekten keinen Nektar anbietet, ist es ein wichtiger Pollenlieferant. Ihre behaarten Samen tragen ein fettreiches Anhängsel (Elaiosom), welches Ameisen als Nahrung dient. Diese schleppen die Samen in ihren Bau und verzehren dort nur das nahrhafte Anhängsel. Der eigentliche Samen ist für sie wertlos und wird darum wieder aus dem Bau transportiert. Ameisen sorgen somit für die lokale Ausbreitung der Pflanze. Ihr globales Verbreitungsgebiet ist enorm, es kommt in fast ganz Europa, Ostasien und Nordamerika vor. Seinen Namen verdankt das leicht giftige Leberblümchen der Form ihrer Blätter, die im Mittelalter als Mittel gegen Leberleiden verwendet wurden, aber mit wenig Erfolg.
Verbreitungskarte Schweiz (Quelle:www.infoflora.ch)
Pflanze des Monats März: Hundszahnlilie (Erythronium dens-canis) im Moor (7) und Jura (8) des Alpinums
Leckerer Frühblüher
Es ist Frühling. Die ersten Frühblüher erwachen und profitieren von der steigenden Lichteinstrahlung und Wärme. Dazu zählt auch die Hundszahnlilie. Dank ihrer Zwiebel überdauerte dieser Geophyt den Winter unbeschadet und zehrt nun von den gespeicherten Reservestoffen. Ihren Namen verdankt das Liliengewächs (Liliaceae) der Zwiebel, die oft geteilt ist und dem Eckzahn eines Hundes gleicht. Charakteristisch sind die beiden gegenständig angeordneten, lanzettlichen Laubblätter mit den grünen und braunen Flecken. Ihre Blüten stehen meist einzeln und nicken. Die 6 Blütenblätter sind am Grunde röhrenförmig verwachsen, leuchten intensiv rosa bis rotviolett und locken so ihre Bestäuber an. Bienen, Hummeln und Tagfalter tummeln sich auf den Blüten und suchen an der Blütenbasis nach Nektar. Dabei setzten sich Bienen auf die herausragenden Staubblätter und berühren bei der Futtersuche mit dem Bauch die Narbe. Nach erfolgreicher Bestäubung entwickelt sich eine vielsamige Kapsel.
Als Lebensraum besiedelt die ausdauernde Hundszahnlilie vor allem wärmeliebende Buchen- und Hagebuchenwälder. Ihr oberirdisches Dasein endet mit dem Laubaustritt der Bäume. In der Schweiz ist die geschützte Pflanze sehr selten und kommt natürlicherweise nur im Südtessin und bei Genf vor.
Die Gattung der Zahnlilien (Erythronium) umfasst knapp 30 Arten. Davon sind die meisten in Nordamerika beheimatet. Unsere Hundszahnlilie ist der einzige europäische Vertreter und gedeiht von Portugal über die Südalpen bis nach Japan, wo ihre Zwiebeln zu Kuchen verarbeitet werden.
Verbreitungskarte Schweiz (Quelle: www.infoflora.ch)
Pflanze des Monats Februar: Dombeya wallichii im Farnhaus (33)
Fledermäuse bitte zu Tisch!
Dombeya wallichii ist ein immergrüner Laubbaum und wird 10 m hoch. Er stammt aus Madagaskar. Seine bis 40 cm breiten Blätter sind an der Basis herzförmig und ähneln riesigen Lindenblättern. Mit diesen ist er auch verwandt, beide gehören zur Familie der Malvengewächse (Malvaceae). Während der Blütezeit besticht Dombeya wallichii mit seinen unzähligen langgestielten und hängenden Blütenköpfen. Sie setzen sich aus zahlreichen, dicht gedrängten, 3 cm grossen, glockenförmigen und rosafarbenen Einzelblüten zusammen. Die duftenden Blüten produzieren sehr viel Nektar, welcher eine schleimige Konsistenz besitzt und locken so ihre Bestäuber an: Fledermäuse. Bei der Bestäubung hängen sich die Säugetiere an die exponierten Blüten, saugen mit ihren langen Zungen die zuckerhaltige Flüssigkeit und bepudern sich dabei die Schnauze mit dem Pollen. Beim nächsten Blütenbesuch gelangt dieser auf die Narbe und die Bestäubung erfolgt. Da bei uns im Farnhaus die Fledermäuse fehlen, tropft der zähflüssige Nektar auf den Boden, was gelegentlich zu einer glitschigen Angelegenheit führen kann. Die verwelkten, bräunlichen Blütenstände sind noch mehrere Monate sichtbar, die Fruchtbildung fällt aus.
Die Gattung Dombeya kommt mit rund 225 Arten in Afrika und Madagaskar vor und ist nach dem französischen Arzt und Botaniker Joseph Dombey (1742 – 1794) benannt. Der Artname wallichii ehrt den dänischen Botaniker Nathaniel Wallich (1786 – 1854).
Pflanze des Monats Januar: Webbs Cinarie (Pericallis webbii) im Sukkulentenhaus (34), im Sommer auf der Terrasse beim Mittelmeergebiet (20)
Rarität aus Gran Canaria
Der englische Botaniker Philip Barker Webb erkundete vor über 160 Jahren die Pflanzenwelt auf den Kanarischen Inseln und prägte dabei den Begriff Makaronesien. Die Makaronesischen Inseln bezeichnen die im östlichen Zentralatlantik liegenden Inselgruppen vulkanischen Ursprungs und reichen von den Azoren über die Kanarischen Inseln bis zu den Kapverden. Trotz der grossen Entfernungen zwischen den einzelnen Inseln herrschen grosse Gemeinsamkeiten hinsichtlich der Pflanzenwelt. So gedeihen die 14 verschiedenen Arten der Gattung der Cinarien (Pericallis) nur in diesem Gebiet. Die Cinarien gehören zu den Korbblütern (Asteraceae) und gleichen unseren gelb blühenden Greiskräutern (Senecio), haben aber violette, purpurrote oder weissliche Zungenblüten. Als Besonderheit blüht zurzeit im Sukkulentenhaus Webbs Cinarie (Pericallis webbii), welche nach dem englischen Forscher benannt ist. Die bis 150 cm hohe, ausdauernde Pflanze hat grosse, rundliche Grundblätter, deren Unterseite weissfilzig behaart ist. Ihr endständiger Blütenstand leuchtet mit zahlreichen blassrosa Blüten. Sie ist endemisch auf Gran Canaria und wächst in den schattigen Schluchten dieser Kanareninsel. Im Sommerhalbjahr steht die Kübelpflanze bei uns auf der Terrasse beim Mittelmeergebiet.




















