Guy Krneta - U wär kontrolliert d Zypresse?
My Tegscht isch e Garte. Hie wuchere d Wörter wi angernen Orte d Pflanze. Wo aui e Name hei. I cha di Näme näh u i my Garte pflanze. U si schlöh uus. Wen i Adonis säge – d Botanik isch en Ableger vor Lyrik. Das het scho dr Haller gwüsst. Dr gross Haller. Won’r ufghört het mit dr Lyrik, wüu’r isch uf d Botanik cho. Wichtiger aus Wörter i d Wäut z pflanze, wo’s scho git, het’s ne tünkt, di Pflanze mit Wörter z vrsehe. Für dass me sen uf ds Mau het chönne gseh, di Pflanze, wüu me sen uf ds Mau het chönne säge. Vor Auperoose bis zur Chuchizibele. Vom Bittersüess bis zum Immergrüen. Vom Fingerhuet bis zum Frouemantu. Vom Lungechrutt bis zur Ochsezunge.
E Garten isch e Tegscht. Wo me cha läse, vo vooren u vo hinge, we me d Buechschtabe kennt. Oder ds entschprächende Wörterbuech het. Wo eim di Pflanzen übersetzt i Buechschtabe. Wo uf die vrwyyse, wo zersch Mau uf di Pflanze vrwise hei. Ihre Gruch, ihre Guu, ihri Form. U hütt vrwyysen ufene Zyt, wo’s no Schtifmüeterli gäh het u Kapuzinermönche, wo Kressech gässe hei. U Jude Chirschi. E Garten isch es Gschichtsbuech. Wo zrügg geit bis i d Antike. I jedem Schierling uferschteit e Philosoph. I jedem Schlafmohn schlummeret e Revolution.
U me schteut sech voor, es chiem itz eim i Sinn, di Nämen aazpasse. Fit z mache für di hüttigi Zyt. Dr Ritterschporn aus Relikt us eren angere Zyt, wo zum Stick würd, für dr Aaschluss z fingen ane jüngeri Generation. U ds Pfafferöhrli zum Ussedienschtmitarbeiterschtängeli. We sech däm e Kommission würd aanäh, biudet us Vrträtter vo vrschidnige Departemänt. Für über nöie Näme z brüete, d Wörterbüecher umzschrybe, d Grammatik vo de Pflanze. Für dass sech viu Fraage üs Hüttige nümm müesste schteue: Wär het hie eigentlech dr Sunnehuet uuf? Wär bricht hie dr Aronschtab über wän? Wär häbt mit dr Ballonpflanzen ab? Wär vrbindet dr Bluetwurz? Wär vrgit dr Ehrepryys? Wär isch hie e Gänsefuess? Wär redt mit doppleter Hirschzunge? Wär het wän ufem Hueflattech? Wär schüttlet wäm ds Chatzepföötli? Wär träjt wäm dr Chäuerhaus um? Wär mues hie ufe Bitterchlee byysse? Wär jagt wän i Bockshornchlee? Wär isch wäm über ds Läberblüemli kroche? Wär liebschtöcklet da dür d Gägend? Wär wott eis hinger ds Löffuchrutt? Wär nimmt kes Marieblatt vor ds Muu? Wär tuet da so schyynbeerig? Wär teckt was mit em Siubermänteli zue? Weles isch e luschtigi Sojabohne? Wär tuet mit wäm Süesshouz raschple? Wär züntet d Trubesiubercherzen aa? Wär schteit hie Wacholder? Wär het wän ufem Wulechrutt? U wär kontrolliert d Zypresse?
E Garten isch e Bar. Oder Apotheeg. Oder Kifferhöhli. Wo aus vrhandlet wird, wo dr Mönsch sit je bewegt: Syni Ernährig. Syni Vrdouig. Syni Usscheidig. Syni Potänz. Syni Geburt. Syni Abtrybig. Syni Chrankheit. Syni Unschtärblechkeit. Syni Halluzinationsfähigkeit. We me di Chrütter düregeit mit Blick uf das, wo si schyynbar chöi bewürke, het me dr Yydruck, dass für aus u jedes es Chrutt gwachsen isch. Nume kes gäge Tod. U we eis mau wäär gwachse gsi gäge Tod, wäär’s sicher usgschtorbe. Wüu’s d Mönsche so im Übermass konsumiert hätte, dass’s ke Chance gha hätt nachezwachse. U de hätt’s mit Sicherheit o ds Gägeteil bewürkt, wi viu Pflanze ds Gägeteil bewürke, we me sen im Übermass konsumiert.
U itz überchunnt eim dr Wunsch, di Chrütter einzu düre z gah, ihri Würkig z erfahre, am eigete Körper, im Säubschtvrsuech. Wi jedi Bar i eim unwillkürlech dä Wunsch entfacht, di Fläsche, wo da ufgreit sy, aui z lääre. Dr Absinth u dr Anis. Dr Arnika u d Artischocke. Baudrian u Brombeeri. Dischtle, Doscht u Efeu. Eibe, Eiche, Ysechrutt. Änguwurz u Enzian. Estragon u Fygeboum. Fänchu, Föhre, Gamander. Hopfe, Indigo, Johannisbeeri. Kamiue, Knöterich, Koreander. Lakritze. Lavändu. Lorbeer. Maggichrutt. Majoran, Malve. Myrte, Oleander. Bitterorange. Paprika, Pfäffermünze, Preisubeeri. Wyyroute. Ringublüemli. Rizinus, Rosmarin, Sanddorn, Sänf. Schtächöpfu, Thymian. Touchirschi, Waudmeischter. Wyyssdorn, Weizen u Zitrone.
E Garten isch es Gedächtnis. We me sech vorschteut, was aus gschpycheret isch i dene Chnoue, Wurzle, Blüeten u Saame. Über ds Wärden und Vrgah. Wi mängi Schueu nöötig wäär, wi mängi Uni, wi mängs Jahr Schtudium. We das Wüssen eines Tages wägg wäär. Usglöscht. Di Pflanze vrgässe hätte, dr Bode, di Würm. Wi mängi Feschtplatte nötig wäär, wi viu Tuusig Gigabyte Schpycherkapazität. U wi müehsam, we me das Wüsse nächär wider wett i dä Garten yyschpyyse, mit Schtromschleeg u Transmittersubschtanze.
E Garten isch es Dänkmau. Wo üs dra erinneret, dass ds Läbe vor üs isch, mit üs u nach üs. Dass mir so Schtängle sy oder Blüeten oder Wurzlen oder Bletter. U üsi Würkig auefaus homöopathisch.
Geschrieben zur Enthüllung der Gedenktafel für Marlis Krneta-Jordi (1935 – 2006) am 1. Juni 2007.
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